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Dienstag, 11. März 2014, 16:37

Das Gurkenglas.

..Wieder in einem anderen Forum gefunden und gerne als wertvoll weiter gegeben:


Solange ich mich erinnern konnte stand das
Gurkenglas auf dem Fußboden neben der Frisierkommode im Schlafzimmer
meiner Eltern. Wenn er sich auszog, um ins Bett zu gehen, leerte Vater
seine Taschen und steckte sein Kleingeld in das Glas. Als kleiner Junge
war ich immer fasziniert von dem Geräusch, das die Münzen von sich gaben
wenn sie in das Glas fielen. Sie landeten mit einem fröhlichen Klingeln
darin wenn das Glas fast leer war. Dann veränderte sich der Ton
schrittweise zu einem dumpfen Aufschlag, je voller das Glas wurde. Ich
hockte mich immer auf den Boden vor dem Glas und bewunderte die
kupfernen und silbernen Münzen, die wie ein Piratenschatz funkelten wenn
das Sonnenlicht durch das Schlafzimmerfenster flutete.

Wenn das
Glas voll war setzte sich mein Vater an den Küchentisch und rollte die
Münzen zusammen bevor er sie zur Bank brachte. Die Münzen zur Bank zu
bringen war immer eine große Sache. Säuberlich in eine kleine
Pappschachtel verpackt lagen die Münzen zwischen Vater und mir auf dem
Sitz seines alten Lastwagens.
Jedes Mal, wenn wir zur Bank fuhren,
schaute Vater mich hoffnungsvoll an. “Diese Münzen werden dich vor der
Tuchfabrik bewahren, mein Sohn. Dir wird es besser gehen als mir. Diese
alte Tuchfabrik wird dich nicht zurückhalten.” Jedes Mal, wenn er die
Schachtel mit den zusammengerollten Münzen in der Bank über den Tresen
schob, grinste er stolz. „Das sind Ersparnisse für die Ausbildung meines
Sohnes. Er wird niemals wie ich sein ganzes Leben lang in der
Tuchfabrik arbeiten.“

Wir feierten jede Einzahlung indem wir an der
Eisdiele anhielten. Ich bekam immer ein Bällchen Schokolade. Vater nahm
immer Vanille. Wenn der Verkäufer Vater sein Wechselgeld aushändigte,
zeigte er mir die wenigen Münzen in seiner Hand. „Wenn wir nach Hause
kommen, fangen wir wieder an, das Glas zu füllen.“ Er ließ mich immer
die ersten Münzen in das leere Glas werfen. Wenn sie mit einem kurzen,
fröhlichen Klimpern hineinfielen grinsten wir einander an. „Du wirst
durch Pfennige und Groschen auf die Universität gehen“, sagte Vater,
„aber du wirst hingehen. Dafür sorge ich.”

Die Jahre vergingen, ich
machte meinen Universitätsabschluss und nahm einen Job in einer anderen
Stadt an. Einmal, als ich meine Eltern besuchte, benutzte ich das
Telefon in ihrem Schlafzimmer und bemerkte, dass das Gurkenglas
verschwunden war. Es hatte seinen Zweck erfüllt und war entfernt worden.
Ein Kloß stieg in meiner Kehle auf als ich auf den Fleck neben der
Frisierkommode starrte, wo das Glas immer gestanden hatte. Mein Vater
war kein Mann großer Worte und hatte mich nie über die Werte
Entschlossenheit, Ausdauer und Glauben gelehrt. Das Gurkenglas hatte mir
all diese Tugenden wortgewandter vermittelt als die blumigsten Worte es
vermocht hätten.

Als ich heiratete, erzählte ich meiner Frau Susan
von der bedeutsamen Rolle, die das bescheidene Gurkenglas in meinem
Leben als Junge gespielt hatte. In meiner Erinnerung definierte es mehr
als irgendetwas anderes, wie sehr mein Vater mich geliebt hatte. Egal
wie hart die Zeiten daheim wurden, Vater warf weiterhin verbissen seine
Münzen in das Glas. Selbst in dem Sommer, als er aus der Tuchfabrik
entlassen wurde und Mama mehrmals pro Woche gedörrte Bohnen auf den
Tisch bringen musste, wurde nicht ein einziger Pfennig aus dem
Gurkenglas genommen. Im Gegenteil. Als Vater mich über den Tisch hinweg
ansah und Ketchup über meine Bohnen goss, damit sie etwas schmackhafter
wurden, war er entschiedener denn je, für mich einen Ausweg zu schaffen.
"Wenn du die Uni hinter dir hast, mein Sohn”, sagte er mit funkelnden
Augen, “wirst du nie wieder Bohnen essen müssen …es sei denn, du
möchtest welche.“

Am ersten Weihnachtsfest nachdem unsere Tochter
Jessica geboren war, verbrachten wir die Ferien mit meinen Eltern. Nach
dem Abendessen saßen Mama und Papa nebeneinander auf dem Sofa und
umarmten abwechselnd ihr erstes Enkelkind. Jessica begann leise zu
wimmern und Susan nahm sie aus Vaters Armen. „Ich muss ihr
wahrscheinlich die Windeln wechseln”, sagte sie und trug das Baby in das
Schlafzimmer meiner Eltern, um es zu wickeln. Als sie zurück ins
Wohnzimmer kam, waren Susans Augen seltsam beschlagen. Sie gab Jessica
meinem Vater zurück bevor sie meine Hand nahm und mich in das
Schlafzimmer führte.

"Schau nur", sagte sie sanft und ihre Augen
dirigierten mich zu einem Fleck auf dem Fußboden neben der
Frisierkommode. Zu meinem Erstaunen stand da, als wäre es nie entfernt
worden, das alte Gurkenglas, den Boden bereits mit Münzen bedeckt. Ich
ging herüber zu dem Gurkenglas, griff tief in meine Tasche und zog eine
Handvoll Münzen heraus. Während mich eine ganze Tonleiter von Gefühlen
fast erstickte, ließ ich die Münzen in das Glas fallen. Als ich wieder
aufblickte, sah ich dass Vater mit Jessica auf dem Arm leise ins Zimmer
gekommen war. Unsere Augen trafen sich und ich wusste, dass er dieselben
Gefühle empfand wie ich. Keiner von uns beiden war in der Lage, zu
sprechen.

Manchmal sind wir so beschäftigt damit, unsere Probleme zu
addieren, dass wir vergessen, unsere Segnungen zu zählen. Kummer schaut
zurück. Sorgen schauen umher. Aber der Glaube schaut hinauf.

Autor unbekannt

:tassekaffee:
Phil. 1,6:
...der in uns angefangen hat das gute Werk, wird es auch vollenden bis an den Tag Christi.
Nietzsche: "Gott ist tot".
Gott: "Nietzsche ist tot!"


ralf-fennig

Administrator

Beiträge: 2 217

Wohnort: 49424 Goldenstedt

Beruf: Altenpfleger - Frührentner

2

Donnerstag, 13. März 2014, 10:29

"Dem ersten der Tod
Dem zweiten die Not
Dem dritten das Brot"

Das steht über dem Eingang einiger Bauernhäuser hier. Daran muss ich gerade denken.

Oder etwas pessimistischer Bismarck, aus meinem Gedächnis:
"Der Großvater war Bauer, der Vater Kaufmann und der Sohn studiert Kunstgeschichte!"

Benennungsloser

unregistriert

3

Donnerstag, 13. März 2014, 11:32

den ersteren Spruch kenn ich aus dem tief verwurzelten Dasein der Donauschwaben, die ganz neu angefangen haben in fremden Landen. :thumbsup: