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Montag, 21. April 2014, 20:49

Salzkraft - von Prof. Dr. Helmut Thieleke (1908-1986)

Wenn man viele Christen in ihrer oft weichen und femininen und süßlichen
Art sieht, möchte man meinen , daß sie doch den Ehrgeiz hätten, der
Honigseim der Welt zu sein. Sie versüßen und verzuckern die Bitternis
des Schicksals durch eine allzu billige Vorstellung vom lieben Gott.
Sie erweichen die Härte der Schuld durch eine fast beängstigende
Kindschaftsromantik. Sie haben die Hölle wegretuschiert und sehen nur
den Himmel offen. Sie stecken vor Teufel und Anfechtung den Kopf in den
Sand und haben das ewige und verkrampfte Lächlen einer gespielten
Weltüberwindung auf ihren Zügen.


Das Reich Gottes, das unter den Wehen der Geschichte und unter wilden
Schmerzen, das unter den Exzessen des Antichrists und unter dem Stöhnen
der Märtyrer heireinbrechen soll , ist ihnen zu einem harmlosen
Blütengarten geworden und ihr Glaube ein süßer Honig , den sie diesen
Blüten entnehmen. Daher kommt es denn auch , daß die Welt sich an diesen
Christen immer wieder überißt ! und sich angeekelt abwendet, weil sie
spürt, daß das Leben härter ist und daß es deshalb größeren Anstand
verrät , wenn man seine Bitternisse unverzuckert erträgt.



AberJesus sagt ja gar nicht "Ihr seid der Honig ," sondern " Ihr seid
das Salz" . Das Salz beisst: und die unverkürzte Botschaft vom Gericht
und von der Gnade Gottes hat denn noch immer gebissen, so sehr, daß man
dagegen aufbegehrte und oft genug wieder gebissen hat.


Der Honiggott der natürlichen Weltanschauungen war leichter zu ertragen .
Wo Salzkraft in einer Kirche und in einer Predigt ist , da findet man
auch immer das saure Reagieren. Denn das Salz beisst und äzt überall da ,
wo wir Menscen wunde Stellen haben. Wir alber wollen Heilung ohne
Schmerzen- und außerdem sind wir nicht gern an jene wunden Stellen
erinnert. Darum schreit die Welt nicht nur nach dem goldenen Kalb,
sondern nach den Honiggöttern , die unsere tiefsten Wunden vergessen
machen. Wo das saure Reagieren auf die Bostschaft nicht mehr da ist, da
fehlt das Salz.



Es ist ein bedenkliches Zeichen, wenn die Welt in einem allzu
ungetrübten Frieden mit der Kirche lebt und wenn eine Gemeinde
allzu begeistert von ihrem Prediger ist. Dann hat er in der Regel kein
Salz von der Kanzel gestreut. Die Menschen unter der Kanzel hat es nicht
gebissen, und so sind sie denn nach Hause gegangen und haben gemeint,
sie seien gesund, sie trügen keine Wunden, und der liebe Gott hätte sie
mit "heiler Haut " davonkommen lassen. Begeisterung und allzu einmütige
Zustimmung zu einer Predigt pflegen auf bedenkliche Mangelerscheinungen
zu deuten.



Und weiter: Das Salz hat eine fäulnisverhindernde, eine konservierende
Kraft. Das Fleisch des Abendlandes ist faulig und stinkend geworden,
seitdem das Salz fehlt. Gewiß, man hat Fortschritte gemacht, man ist
technisch auf der Höhe, man hat die Freude des Diesseits entdeckt, man
liebt das braungebrannte, das lebensfrohe, das junge Fleisch. Aber darin
kann der Wurm sitzen, und wohin wir mit der Devise der sonnengebräunten
Lebensbejahung gekommen sind, in welchen Abgrund die Welt ohne Gott
stürzt (diese in ihren eigenen Wonnen erschauernde und sich
selbervergötternde Welt), das haben wir ja wahrhaftig in einer Weise am
eigenen Leben erfahren, daß ich darüber kein Wort zu verlieren
brauche.


Wir, einschließlich aller nur denkbaren Freidenker, Atheisten und
Antitheisten, leben alle noch viel mehr vom christlichen Erbe, vom "Salz
im Fleisch", als wir es selber wissen. Aber der Organismus unseres
Vaterlandes, ja unseres ganzen Erdteiles hat es allmählich aufgesaugt.
Darum sind die Jünger so nötig , die neue Salzkraft in die Welt tragen
und sie gegen die eingedrungenen Giftstoffe der Fäulnis und der
Verwesung gegen alle jene Prozesse , die man mit einem ahnungsvollen
Namen als "Untergang der Abendlandes" bezeichnet immunisieren helfen.



:tassekaffee:
Phil. 1,6:
...der in uns angefangen hat das gute Werk, wird es auch vollenden bis an den Tag Christi.
Nietzsche: "Gott ist tot".
Gott: "Nietzsche ist tot!"


2

Mittwoch, 23. April 2014, 20:46

Ich habe ihn pers.kennengelernt als ich an der Offizierschule in Hamburg war.
Damals gabs Krawall mit den Linken, sie störten seine Gottesdienste.
Unser Schulkommandeur ( befreundet mit ihm) schickte uns Offizierschüler dann zum Schutz in dessen Gottesdienst! :thumbsup:

3

Mittwoch, 23. April 2014, 20:49

Von da an war Ruhe in dieser Kirche! :thumbsup: