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Freitag, 26. April 2019, 16:05

Der kommende Fürst: Kapitel 1

Daniel und die Zeiten, in denen er lebte
«Daniel, der Prophet». Niemand kann sich eines höheren Titels rühmen, denn in dieser Weise hat der Messias selbst von Daniel gesprochen. Und doch hätte sich der grosse «Fürst der Gefangenschaft» zweifellos geweigert, einen solchen Titel zu tragen. Jesaja, Jeremia, Hesekiel und die anderen Propheten «redeten, getrieben vom Heiligen Geist» (2. Petr 1, 21), aber Daniel gab keine solchen «gottgehauchten» Worte von sichFussnote. Wie der «geliebte Jünger» zu Zeiten des Messias hielt er fest, was er – ganz gewöhnlich, alltäglich, aber auch in Visionen – gesehen hatte. Die grosse Vorhersage betreffend die siebzig Wochen war eine Nachricht, die ihm durch einen Engel überliefert wurde, der mit ihm sprach, wie ein Mann mit dem andern spricht. Daniel kannte weder eine ProphetendiätFussnote noch Prophetenkleidung, sondern lebte mitten in all dem Luxus und Pomp eines morgenländischen Hofes. Als rechte Hand des Königs war er einer der Höchsten im grössten Reich der Antike. Erst am Ende eines langen Lebens als Staatsmann erhielt er die Visionen, die in den letzten Kapiteln des nach ihm benannten Bibelbuches festgehalten sind.
Um diese Prophezeiungen richtig verstehen zu können, müssen wir die wichtigsten politischen Ereignisse der damaligen Zeit im Blick haben. Die Blütezeit von Israel als Nation hatte sich als ebenso kurz wie brilliant erwiesen. Das Volk hatte sich nie von Herzen dem göttlichen Gesetz gefügt, das für das Haus Juda das Szepter und für die bevorzugte Familie Josephs das Erstgeburtsrecht vorgesehen hatteFussnote. Durch gegenseitigen Neid und Streit, der dank des persönlichen Einflusses Davids und der Herrlichkeit der Regierung Salomos noch hatte in Grenzen gehalten werden können, war es unter Rehabeam, dem Sohn Salomos, zur Reichsteilung gekommen. Die Israeliten hatten sich nicht nur gegen die Königsherrschaft von Juda aufgelehnt, sondern sie waren auch von Gott abgefallen. Sie hatten den wahren Gottesdienst verworfen und begonnen, offen und schamlos Götzendienst zu betreiben. Nach zweieinhalb Jahrhunderten ohne einen einzigen Lichtblick in ihrer Geschichte waren sie von Assyrien gefangen geführt wordenFussnote. Bei der Geburt Daniels hatte das Nordreich schon seit über hundert Jahren nicht mehr existiert.

Juda war zwar weiterhin formal unabhängig geblieben, aber in Tat und Wahrheit war es damals schon längst tributpflichtig gewesen. Dazu war es aufgrund seiner geographischen Lage geradezu prädestiniert gewesen: Da es mitten zwischen dem Nil und dem Euphrat gelegen hatte, hatte sich die Oberherrschaft über Juda als ein Prüfstein für die Beantwortung der Frage nach der Vorherrschaft zwischen dem alten Feind im Süden und dem Imperium, das Nabopolassar im Norden aufgebaut hatte, angeboten. Die Geburt des Propheten Daniel fand ungefähr in jenem Jahr statt, das man im Allgemeinen für den Beginn der zweiten Epoche des babylonischen Imperiums hältFussnote. Daniel war noch ein Kind, als Pharao Necho erfolglos versuchte, Chaldäa einzunehmen. In jenem Kampf ergriff sein Verwandter, der gute König Josia, Partei für Babylon. Das kostete ihn nicht nur sein eigenes Leben, sondern führte auch zu einer weiteren Verminderung des Vermögens seines Hauses und der Freiheit seines Landes (vgl. 2. Kön 23, 29; 2. Chron 35, 20).

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Die öffentliche Trauer um Josia hatte kaum geendet, als der Pharao – auf seinem Rückzug nach Ägypten – vor Jerusalem Stellung bezog und seine Oberherrschaft sicherte, indem er einen hohen Tribut forderte und den Thronfolger bestimmte. Joahas, der jüngere Sohn Josias, der die Krone infolge des Todes seines Vaters erhalten hatte, wurde vom Pharao abgesetzt und durch Eljakim ersetzt. Dieser hatte sich in den Augen des Königs von Ägypten wohl durch genau jene Qualitäten ausgezeichnet, die seinen Vater Josia veranlasst hatten, ihn zu enterben. Der Pharao änderte seinen Namen in Jojakim und setzte ihn als König und Vasallen von Ägypten ein (vgl. 2. Kön 23, 33–35; 2. Chron 36 3. 4).

Im dritten Jahr nach diesen Ereignissen begab sich Nebukadnezar, der königliche Fürst von BabylonFussnote als Oberbefehlshaber der Armeen seines Vaters auf eine Aufklärungsmission nach Juda. Dort forderte er die Unterwerfung des Königs von Juda. Nach einer Belagerung, über die wir in den Geschichtsbüchern keine Details finden, nahm er die Stadt ein. Den König führte er als einen Kriegsgefangenen ab. Doch Jojakim erlangte später wieder seine Freiheit und sogar seinen Thron zurück, indem er Babylon seine Loyalität zusicherte. Nebukadnezar zog sich daraufhin zurück, ohne grössere Beute zu machen. Er nahm nur einen Teil der heiligen Gefässe des Tempels, die er in das Haus seines Gottes brachte, und einige Jugendliche von königlichem Blut mit sich, unter denen sich auch Daniel befand. Diese sollten als Vasallenfürsten seinen Hof zieren (2. Kön 24, 1; 2. Chron 36, 6. 7; Dan 1, 1. 2). Drei Jahre später lehnte sich Jojakim gegen Babylon auf, aber es dauerte fünf Jahre, bis Babylons Armeen zurückkehrten, um Juda endgültig zu erobern, wenn auch das Land in diesen fünf Jahren oft von «Scharen der Chaldäer» überrant wurdeFussnote.

Jojakin, ein 18 Jahre alter Jugendlicher, der gerade die Thronfolge angetreten hatte, ergab sich sofort mitsamt seiner Familie und seinem Gefolge (2. Kön 24, 12), womit das Schicksal Jerusalems einmal mehr in den Händen Nebukadnezars lag. Hatte sich dieser bei seiner ersten Invasion noch grossherzig und nachsichtig gezeigt, verhielt es sich nun anders, denn nun musste er nicht nur seine Herrschaft sichern, sondern eine Rebellion bestrafen. Dementsprechend durchstöberte er die ganze Stadt nach allem, was wertvoll war, und er nahm mit sich «ganz Jerusalem (…) nichts blieb übrig als nur das geringe Volk des Landes» (2. Kön 24, 14). Als König beziehungsweise Verwalter der geplünderten und entvölkerten Stadt wurde Jojakins Onkel Zedekia zurückgelassen, der beim Namen des Herrn Loyalität gegenüber seinem Oberherrscher geschworen hatte. Das war die «Wegführung des Königs Jojakin» (Hes 1, 2), wie sie vom Propheten Hesekiel genannt wurde, der sich selbst unter den Weggeführten befunden hatte.

Die Unterwerfung unter Babylon war bereits in den Tagen Hiskias vorhergesagt worden (2. Kön 20, 17). Nach der Erfüllung der entsprechenden Prophezeiung Jesajas wurde Jeremia mit der Verkündigung der göttlichen Botschaft beauftragt, dass die Gefangenschaft nach 70 Jahren gewendet und das Volk ins Land zurückgeführt würde (Jer 29, 10). Doch während die Juden im Exil mit dieser Verheissung getröstet wurden, wurden der König Zedekia und sein Gefolge, das von Jerusalem im Land übrig geblieben war, gewarnt, dass ein Widerstand gegen das ihnen von Gott selbst auferlegte Joch Babylons weit schlimmere Konsequenzen über sie bringen würde, als sie bis dahin hatten tragen müssen. Nebukadnezar würde zurückkehren, um sie vollständig zu zerschlagen und ihr ganzes Land zu einer Wüste und zum Entsetzen zu machen (vgl. Jer 24, 8–10; Jer 25, 9; Jer 27, 3–8). Aber dann standen falsche Propheten auf, die den Nationalstolz anfachten und eine rasche Wiederherstellung von Judas Unabhängigkeit voraussagten (Jer 28, 1–4). Trotz den wiederholten ernsten Warnungen Jeremias liess sich der schwache und gottlose König Zedekia von diesen falschen Prophezeiungen verführen. Nachdem er eine bewaffnete Unterstützung durch Ägypten zugesichert erhalten hatte, rebellierte er offen gegen Babylon (vgl. Hes 17, 15).

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Einmal mehr umringten deshalb Babylons Armeen Jerusalem. Zunächst schien es zwar, als würde Zedekias Plan aufgehen, denn die ägyptischen Streitkräfte eilten zur Unterstützung herbei, was die Babylonier zwang, die Belagerung Jerusalems aufzugeben und sich aus Juda zurückzuziehen (Jer 37, 1. 5. 11). Dieser vorübergehende Erfolg der Juden führte letztlich aber nur dazu, den König von Babylon weiter zu reizen, weshalb das Schicksal Jerusalems am Ende nur noch schlimmer ausfiel, als Nebukadnezar es dann definitiv einnahm. Er beschloss, ein Exempel an der aufrührerischen Stadt und am halsstarrigen Volk zu statuieren. Also führte er selbst alle Streitkräfte seines Imperiums gegen Jerusalem herauf (2. Kön 25, 1; Jer 34, 1). Einmal mehr eroberte er Juda; einmal mehr setzte er die heilige Stadt in Belagerung.

Die Juden widerstanden ihm mit jenem blinden Fanatismus, der durch falsche Hoffnungen bewirkt wird. Insgesamt 18 Monate hielt die Stadt der Belagerung stand, was ein eindrücklicher Beweis für die natürliche Stärke des alten Jerusalems ist (2. Kön 25, 1–3). Am Ende siegten nicht die feindlichen Kräfte, sondern der Hunger. In der Folge wurde die ganze Stadt durch Feuer und Schwert aufgerieben:


Und er liess den König der Chaldäer gegen sie heraufkommen, und der erschlug ihre Jünglinge mit dem Schwert im Haus ihres Heiligtums: Er verschonte nicht den Jüngling und die Jungfrau, den Alten und den Greis: alle gab er in seine Hand. Und alle Geräte des Hauses Gottes, die grossen und die kleinen, und die Schätze des Hauses des Herrn und die Schätze des Königs und seiner Obersten: alles brachte er nach Babel. Und sie verbrannten das Haus Gottes und rissen die Mauer von Jerusalem nieder; und alle seine Paläste verbrannten sie mit Feuer, und alle seine kostbaren Geräte verdarben sie. Und die vom Schwert Übriggebliebenen führte er nach Babel weg; und sie wurden ihm und seinen Söhnen zu Knechten, bis das Königreich der Perser zur Herrschaft kam; damit erfüllt würde das Wort des Herrn durch den Mund Jeremias, bis das Land seine Sabbate nachgeholt hätte. Alle Tage seiner Verwüstung hatte es Ruhe, bis siebzig Jahre voll waren.
2. Chron 36, 17–21

Wie der Herr ihre Väter vierzig Jahre lang in der Wüste ertragen hatte, hatte Er vierzig Jahre lang mit dem Gericht über Jerusalem zugewartet, «denn er erbarmte sich seines Volkes und seiner Wohnung» (2. Chron 36, 15). Vierzig Jahre lang war die Stimme des Propheten in Jerusalem gehört worden, «aber sie verspotteten die Boten Gottes und verachteten seine Worte und verhöhnten seine Propheten, bis der Grimm des Herrn gegen sein Volk stieg, dass keine Heilung mehr war» (2. Chron 36, 16)Fussnote. Dies ist die Beschreibung des inspirierten Geschichtsschreibers von der ersten Zerstörung Jerusalems. Der Schrecken dieser Zerstörung wurde nur vom Schrecken der zweiten Zerstörung Jerusalems erreicht. Von dieser hat sich Jerusalem bis heute nicht erholt. Doch es wird noch zu einer dritten Zerstörung Jerusalems kommen, die noch schrecklicher als die ersten beiden Zerstörungen sein wird, nämlich dann, wenn sich die Vorhersagungen über Judas schlimmste Trübsal erfüllen werdenFussnote.