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Montag, 8. Juli 2019, 15:30

Der kommende Fürst: Kapitel 6 (

Der kommende Fürst: Kapitel 6 (

Die mysthische Ära der Wochen

Angesichts der Schlussfolgerungen im letzten Kapitel drängt sich die Vermutung auf, dass eine Parallele zwischen der Vision der siebzig Wochen und den früheren Visionen des Propheten Daniel bestehen muss. In der bisherigen Menschheitsgeschichte lassen sich aber keine Ereignisse finden, die zum vorhergesagten Lauf der siebzigsten Woche passen würde. Mehr noch: Wenn die siebzigste Woche unmittelbar auf die 69. Woche gefolgt wäre, wäre sie bereits längst abgeschlossen gewesen, bevor überhaupt die Offenbarung geschrieben worden ist. Mittlerweile sind nochmals 18 JahrhunderteFussnote vergangen und noch immer scheint es sich beim Gedanken an eine Wiederherstellung Israels um eine Schimäre von optimistischen Fanatikern zu handelnFussnote. Wo bleibt also die siebzigste Woche?

Wir müssen uns in diesem Zusammenhang in Erinnerung rufen, dass eine Prophezeiung nicht zu unserer Unterhaltung dient oder unsere Neugierde wecken soll. Trotzdem ist es notwendig, dass prophetische Aussprüche eine gewisse Mysthik aufweisen, denn ansonsten könnte ihre Erfüllung durch menschliche Eingriffe (vorzeitig) erzwungen werden. Allerdings darf dann, wenn sich eine Prophezeiung erfüllt hat, kein Zweifel mehr daran bestehen, dass sich die Prophezeiung auf genau jene Ereignisse bezogen hat, in denen sie sich erfüllt hat. Ansonsten würde die Prophezeiung ihren Hauptzweck verfehlen. Wer mehr über die Verbindung zwischen einem prophetischen Ausspruch und dessen Erfüllung erfahren will, soll Jes 53 lesen und den Text mit den Ereignissen der Passion Christi vergleichen: Jes 53 ist so vage und bildhaft gehalten, dass niemand das dort vorhergesagte Drama hätte inszenieren können, aber doch so eindeutig und klar, dass selbst ein Kleinkind nach der zwischenzeitlichen Erfüllung den Zusammenhang erkennen kann. Vor diesem Hintergrund muss das Ereignis, das die Epoche der siebzigsten Woche begründet, genauso auffallend und bestimmbar sein wie Nehemias Aussendung (Beginn der siebzig Wochen) und der Tod des Messias (Ende der ersten 69 Wochen). Weil wir in der gesamten Menschheitsgeschichte kein solches Ereignis finden können, muss es noch in der Zukunft liegen.

Genau zum selben Schluss führt uns das Studium von Dan 7. Alle christlichen Ausleger sind sich darin einig, dass die Vision zwischen dem Aufstieg des vierten Tiers und dem Wachstum der zehn Hörner eine Lücke oder eine Klammer enthält, die – wie bereits aufgezeigt – die gesamte Periode zwischen der Zeit Christi und der Teilung des römischen Erdkreises in zehn Königreiche umfasst, aus denen der grosse Verfolger der Zukunft hervorgehen wird. Diese Periode wird anerkanntermassen auch von den anderen Visionen im Buch Daniel nicht erfasst. Damit haben wir ein starkes Indiz dafür, dass diese Periode auch in der Vision im neunten Kapitel übergangen wird.

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Montag, 8. Juli 2019, 15:31

In diesem Zusammenhang muss auf einen besonders wichtigen Punkt hingewiesen werden: Die verheissenen Segnungen von Juda sollten um siebzig Wochen aufgeschoben werden. Die Bedeutung dieser Verheissung wird zweifelsfrei feststehen, sobald sie sich definitiv erfüllt, wie das bei allen Prophezeiungen der Fall ist. Sie musste aber in mysthischer Weise angekündigt werden, damit die Juden voll verantwortlich für die Annahme oder für die Verwerfung des Messias seien. Der inspirierte Ausspruch des Apostels Petrus über die Nation in Jerusalem, der in Apg 3 festgehalten ist, stimmt damit völlig überein. Die Juden trachteten nur nach einer Wiederherstellung ihrer nationalen Überlegenheit, aber Gottes Hauptziel war die Erlösung durch den Tod des grossen Sünden-Trägers. Nun, da das Werk am Kreuz vollbracht war, zeigte Petrus auf Golgatha als die Erfüllung dessen, «was er durch den Mund aller Propheten zuvor verkündigt hat» (Apg 3, 18), und er fügte hinzu: «So tut nun Busse und bekehrt euch, damit eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn und er den euch zuvor bestimmten Christus Jesus sende» (Apg 3, 19. 20). Die Verwirklichung dieser Segnungen wäre die Erfüllung von Daniels Prophezeiung gewesen, womit sich die siebzigste Woche nahtlos an die 69. Woche angeschlossen hätte. Aber Juda erwies sich als verstockt und widerspenstig, weshalb die verheissenen Segnungen einmal mehr – nun bis zum Ende der geheimnisvollen Ära der Zeiten der Nationen – augeschoben wurden.

Man könnte sich nun fragen, ob nicht das Kreuz Christi die Erfüllung der Segnungen gewesen sei. Ein sorgfältiges Studium der Worte des Engels (Dan 9, 24) wird aber zeigen, dass nicht ein Wort davon erfüllt worden ist. Die 69. Woche sollte mit dem Tod des Messias enden; die siebzigste Woche sollte Juda in den vollen Genuss der auf diesem Tod beruhenden Segnungen bringen. Judas Übertretung muss aber noch zu einem Ende gebracht werden, und die Sünden müssen versiegelt werden. Der Tag, an dem eine Quelle gegen die Ungerechtigkeit von Daniels Volk geöffnet und Gerechtigkeit für es ausgegossen werden soll (Sach 13, 1), liegt noch in der Zukunft. In welcher Weise waren denn Vision und Prophetie versiegelt, wenn die grösste aller Visionen (die Offenbarung) erst noch gegeben werden sollte und wenn die Tage, an denen sich die Worte der Propheten erfüllen sollten (Lk 21, 22), noch in der Zukunft lagen? Und was auch immer die Salbung eines Allerheiligsten bedeuten soll: Es ist klar, dass damit nicht Golgatha gemeint sein kannFussnote.

Lässt sich aber die Behauptung, dass eine chronologisch so eindeutig bestimmte Zeit mittendrin für eine unbestimmte Zeit unterbrochen werden sollte, mit einem überzeugenden Argument oder mit dem gesunden Menschenverstand vereinbaren? Darauf kann zuerst einmal geantwortet werden, dass alle Argumente und der gesunde Menschenverstand wohl für eine endgültige Ausserkraftsetzung aller verheissenen Segnungen am Ende der Periode sprechen würden, und zwar wegen der immensen Schuld des Volkes, das «den Urheber des Lebens» (Apg 3, 15) getötet hat. Gewiss gibt es keine Einwände gegen die Annahme, dass der Fluss der prophetischen Zeit während der gesamten Zeit des Abfalls von Juda gestaut ist. Bleibt die Frage zu beantworten, ob es in der aussergewöhnlichen Geschichte von Israel einen Präzedenzfall dafür gibt.

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Montag, 8. Juli 2019, 15:32

Gemäss dem Buch der Könige begann Salomo mit dem Bau des Tempels im 480. Jahr nach dem Auszug der Kinder Israel aus Ägypten (1. Kön 6, 1). Diese exakte Angabe hat bei Historikern schon für einige Verwirrung gesorgt. Einige meinten, es handle sich um eine Fälschung, andere haben darin einen Fehler erblickt, aber alle sind sich einig gewesen, dass diese Angabe unzutreffend sein müsse. Sogar die Schrift selbst scheint dieser Angabe zu widersprechen. In seiner Rede vor Antiochus (Apg 13, 18–21) fasst Paulus die Geschichte Israels wie folgt zusammen: 40 Jahre in der Wüste, 450 Jahre unter den Richtern und 40 Jahre unter der Herrschaft Sauls, total also 530 Jahre. Zählt man noch die 40 Jahre von Davids Herrschaft und die ersten drei Jahre von Salomos Herrschaft dazu, erhält man 573 Jahre für jene Zeit, die in 1. Kön 6, 1 auf 480 Jahre beziffert wird. Können diese offensichtlich so widersprüchlichen Angaben miteinander in Einklang gebracht werden?Fussnote

Wenn wir die Geschichte Israels im Buch Richter verfolgen, stellen wir fest, dass Israel fünfmal für eine Zeit lang seine nationale Unabhängigkeit als das Volk des Herrn verloren hat. Als Strafe für ihren Götzendienst hat Gott sie immer wieder aufgegeben und in die Hände ihrer Feinde verkauft. Sie waren für acht Jahre Sklaven des Königs von Mesopotamien, 18 Jahre Sklaven des Königs von Moab, 20 Jahre Sklaven des Königs von Kanaan, sieben Jahre Sklaven der Midianiter und schliesslich 40 Jahre Sklaven der PhilisterFussnote. Zählt man diese Jahre zusammen, erhält man 8 + 18 + 20 + 7 + 40 = 93 Jahre, und zieht man 93 Jahre von 573 Jahren ab, erhält man 480 Jahre. Es ist also offensichtlich, dass die 480 Jahre in 1. Kön 6, 1 eine mysthische Ära bilden, bei der alle Perioden ausgeblendet sind, in denen Gott Sein Volk verworfen hatteFussnote. Wenn dieses Prinzip den Juden also aus ihrer eigenen Geschichte bekannt war, war es naheliegend und legitim, es auch in Bezug auf eine durch und durch mysthische Ära wie jene der siebzig Wochen anzuwenden.

Doch diese Schlussfolgerung beruht nicht nur auf einem fundierten Argument oder auf einer überzeugenden Schlussfolgerung, sondern auch auf dem Zeugnis des Herrn Jesus selbst: «Was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?» (Mt 24, 3), fragten Seine Jünger, als sie um Ihn versammelt an einem der letzten Tage Seines Dienstes auf Erden sassen. Als Antwort auf diese Frage antwortete Er von der grossen Drangsal, die Daniel vorhergesagt hatteFussnote, und Er warnte sie, dass das Zeichen für die schreckliche Verfolgung genau jenes Ereignis sein würde, das die Mitte der siebzigsten Woche markiert, nämlich die Entweihung des Heiligtums durch den Gräuel der Verwüstung – wahrscheinlich ein Bild von sich selbst, das der falsche Fürst im Tempel aufstellen und wodurch er den Vertrag brechen wird, die Religion der Juden zu respektieren und zu verteidigenFussnote. Dass sich diese Prophezeiung nicht in den Tagen von Titus erfüllt hat, ist so sicher, wie sicher ein geschichtliches Ereignis nur sein kannFussnote, aber auch die Helige Schrift selbst lässt daran keinen Zweifel.

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Montag, 8. Juli 2019, 15:32

Aus den bereits zitierten Passagen geht hervor, dass die vorhergesagte Trübsal dreieinhalb Jahre dauern wird und dass sie mit dem Vertragsbruch in der Mitte der siebzigsten Woche beginnen wird. Was darauf folgt, wird vom Herrn selbst mit äusserst ernsten Worten so beschrieben: «Sogleich aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden» (Mt 24, 29). Hier ist anzunehmen, dass sich diese Prophezeiung auf das Ende des gegenwärtigen Zeitalters beziehtFussnote. Da diese Szenen unmittelbar auf eine Verfolgung folgen werden, die einen Teil der siebzigsten Woche bildet, ist der unwiderlegbare Schluss zu ziehen, dass die Ereignisse dieser Woche zu einer Zeit gehören, die noch immer in der Zukunft liegtFussnote.

Wir können daraus schliessen, dass in dem Moment, als ruchlose Hände das Kreuz auf Golgatha aufgestellt haben und Gott das Urteil «Lo-ammi» (Röm 9, 25. 26; vgl. Hos 1, 9. 10) über Sein Volk gesprochen hat, der Lauf der prophetischen Ära unterbrochen wurde. Er wird nicht wieder zu fliessen beginnen, bevor die Autonomie von Juda wiederhergestellt ist, und das kann nicht der Fall sein, solange Juda nicht durch einen Vertrag als eine eigene Nation anerkannt istFussnote. Vor diesem Hintergrund muss also davon ausgegangen werden, dass die erste Zeit der prophetischen Ära ihren Lauf genommen hat, aber das die Ereignisse der letzten sieben Jahre noch ausstehen. Das letzte fehlende Glied der Beweiskette ist deshalb die Überprüfung des Datums jenes Ereignisses, das als «bis auf den Messias, den Fürsten» (Dan 9, 25) bezeichnet wird.

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